5 Fragen an Ute Goetsch

1. Frau Goetsch, Sie sind seit Oktober 2014 Leiterin der Steuerabteilung der Berliner Senatsverwaltung für Finanzen. Wie sind Ihre bisherigen Eindrücke und Erfahrungen?

Ich habe sehr schnell erfahren dürfen, dass ich mit der Abteilung III der Senatsverwaltung für Finanzen, Berlin ein hervorragend aufgestelltes, sehr loyales und vor allem dem Servicegedanken verpflichtetes Team übernommen habe. Neben der fachlichen Qualifikation beeindrucken mich (immer noch) insbesondere  die hohe Einsatzbereitschaft und das große Interesse der Abteilung an der gemeinsamen Erledigung unserer Aufgaben. Ich denke, die Ergebnisse meiner Abteilung zeugen von der hohen Qualität der Aufgabenerfüllung und ich darf mich an dieser Stelle bei meinem Vorgänger, Senatsdirigent Wilhelm Hennig bedanken, der stets (und nicht nur dort) ein gutes Händchen in der Personalauswahl und Personalentwicklung gezeigt hat.

2. Finanzverwaltung und Steuerberater haben beide die Aufgabe, den Grundsatz der Gleichmäßigkeit der Besteuerung durchzusetzen, die Finanzverwaltung dabei in fordernder, die Steuerberater in „abwehrender" Manier. Wie passen in Berlin diese beiden Seiten der Medaille zusammen?

Sie zeichnen das Bild der zwei Seiten einer Medaille, welches ich gerne aufnehme. Denn ich sehe wie Sie eine Medaille, welche nur vollständig durch beide Seiten sein kann. Und beide Seiten passen sehr gut zusammen.

Sowohl die Finanzverwaltung als auch die Steuerberaterinnen und Berater verfolgen - wie Sie völlig zutreffend feststellen - dasselbe Ziel. Dabei ergänzen sich die beiden Seiten. Der Blick von beiden Seiten hilft oft, das Gesamtbild am besten zu erkennen.

Lassen Sie mich dies an einem Beispiel verdeutlichen: Die Finanzverwaltung kann nur den ihr bekannten Sachverhalt zur Grundlage der Besteuerung machen. Durch die Erforschung des Sachverhalts, gerade bei unberatenen Steuerpflichtigen, könnte gelegentlich der Eindruck der „fordernden" Verwaltung und der - dann möglicherweise erst später beauftragten -  „abwehrenden" Steuerberatung entstehen. Gerade bei steuerlich komplexen Tatbeständen ist es der Sache aber oft dienlich, dass die Steuerberatung der Finanzverwaltung den Sachverhalt darstellt, wie er für die Besteuerung wichtig ist. Dies können sie durch ihre Fachkenntnis regelmäßig besser als unberatene Steuerpflichtige. Ich sehe hier deswegen vielmehr eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der Finanzverwaltung und den steuerberatenden Berufen, welche uns zu unserem gemeinsamen Ziel und dem Verfassungsauftrag der Finanzverwaltung, nämlich der Gleichmäßigkeit der Besteuerung, führt.

Die Finanzverwaltung und die Steuerberatung sehe ich daher regelmäßig mehr in einem Mit- als in einem Gegeneinander. Gerade meine persönlichen Erfahrungen aus meiner langjährigen Tätigkeit in den Berliner Finanzämtern bestätigen dies. Daher passen in Berlin die beiden Seiten der Medaille sehr gut zusammen.

3.  Ein großes Thema bei Steuerberatern ist, wie man eine ausreichende Anzahl an qualifiziertem Berufsnachwuchs sowohl auf Mitarbeiter-, als auch auf Beraterebene gewinnen kann. In der Senatsverwaltung ist dies vermutlich ähnlich. Haben Sie das Rezept gefunden, mit dem man junge Menschen für das Berufsfeld „Steuern" begeistern kann?

Sie haben völlig Recht: Auch bei uns ist der qualifizierte Berufsnachwuchs ein Thema. Es ist sogar ein sehr wichtiges Thema, deswegen freue ich mich umso mehr, dass wir hier tatkräftig von der Abteilung VD (Verwaltungsmanagement und Dienstleistungen) unterstützt werden, wofür ich auch sehr dankbar bin. Wir sind kontinuierlich dabei, unsere „Rezepte" zu überprüfen und versuchen sie auch zu verbessern bzw. den aktuellen Gegebenheiten anzupassen. So haben wir erst vor kurzer Zeit unsere Werbekampagne „Die Unbestechlichen" neu gestaltet und auch ein Werbevideo produziert. Wir suchen  insbesondere die  Kooperation mit den Schulen, um  Schülerinnen und Schülern möglichst frühzeitig ein Grundverständnis und damit einen Zugang zu unserem Berufszweig zu eröffnen. Dabei setzten wir auf hohe Transparenz, sodass Interessentinnen und Interessenten sehr schnell ein erstes Bild von den späteren Tätigkeiten und  den Möglichkeiten einer Karriere in der Berliner Steuerverwaltung gewinnen können.

Ich bin zuversichtlich, dass wir so geeigneten Nachwuchs für uns interessieren.

4. Was glauben Sie, wie die Finanzverwaltung in 10 Jahren, also im Jahr 2025, aussehen wird?

Sehen Sie mir bitte nach, dass ich bei so lange in die Zukunft gehenden Prognosen eher zurückhaltend sein möchte.

Aber ich glaube, dass zumindest die Automation weiter fortgeschritten sein wird. Neue technische Verfahren werden in fast verlässlicher Regelmäßigkeit eingeführt oder bestehende Verfahren werden verbessert. Ein großes Thema ist zurzeit ja das Projekt „Modernisierung des Besteuerungsverfahrens". Wir werden mit Sicherheit wesentlich weniger mit Papier arbeiten und mit großen Schritten auf die rein elektronische Aktenführung  zugegangen sein. Wir werden das Ihnen ja bekannte Risikomanagementsystem weiter verbessert haben und hoffentlich  eine Elsterquote von 99 % erreicht haben.

Ich bin aber  ganz sicher, dass es auch in zehn Jahren noch Finanzämter geben wird; mit Finanzbeamtinnen und Beamten, die zuverlässig für Fragen und Antworten bereit stehen sowohl im Innen- als auch im Außendienst. Der Kontakt mit der Veranlagung oder der Betriebsprüfung - und vielleicht auch in einigen wenigen Fällen mit der Rechtsbehelfsstelle - wird in zehn Jahren immer noch wie heute möglich sein. Vermutlich stehen dann schon weitere (elektronische) Kommunikationswege zur Verfügung, welche die Kommunikation erleichtern und beschleunigen.

Wie Sie ja wissen, stecken wir gerade in der Umstrukturierung unserer Finanzämter für Körperschaften. Diese werden wir in der nächsten Zeit formal abschließen. Bis aber auch das letzte Detail dieses Großprojektes bewältigt ist, werden noch ein paar Tage vergehen. Hier erwarte ich daher eher keine neuen großen Veränderungen, sondern gehe vielmehr davon aus, dass die Umstrukturierung erfolgreich abgeschlossen sein wird.

5. Zum Schluss unsere traditionelle „Wünsch-Dir-was"-Frage. Wenn Sie Sie drei Wünsche frei hätten,

dann wünschte ich mir:

...  ein vereinfachtes Steuerrecht, sodass

...  Steuerhinterziehung durch Unkenntnis nicht mehr möglich ist und

...  die Elsterquote von 101 % erreicht werden kann.

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